Juli: 3 Fragen – 3 Antworten

Kurzinterview mit Ansgar Sporkmann zum Kinderrecht des Monats Juli:

Kinder haben das Recht auf freie Meinungsäußerung und Beteiligung

Was bedeutet für Sie, Herr Sporkmann, das Kinderrecht: „Kinder haben das Recht auf freie Meinungsäußerung und Beteiligung“?

Das Kinderrecht bedeutet für mich, Kinder und Jugendliche konsequent in allen Bereichen, die sie betreffen, zu beteiligen. Das bedeutet auch, dass sie Verantwortung übernehmen und das ist wichtig und entscheidend für die Teilhabe an demokratischen Prozessen. Erst die Teilhabe ermöglicht die Umsetzung der Kinderrechte. Ansonsten wären es reine Initiativen aus der Perspektive von Erwachsenden, die sich oft nicht mit denen von Kindern decken. Kinder kennen ihre Problemlagen, aber auch Ressourcen am besten und deshalb ist man gut beraten, die „Experten“ in eigener Sache zu beteiligen. Erwachsene müssen Kindern dazu Hilfestellungen bzw. Unterstützung anbieten. Das erfordert Personal und entsprechende Qualifizierungen und damit auch Mittel, die hierfür bereitgestellt werden müssen. Unbedingt berücksichtigt werden sollten Kindern, die nicht so sehr im öffentlichen Fokus stehen, wie Migranten und Kinder mit Behinderungen.

Wo besteht momentan der größte Handlungsbedarf, wenn es um die Partizipation von Kindern geht?

Partizipation muss strukturell verankert werden, damit sie effektiv und nachhaltig wird. Das bedeutet für Gemeinden, Länder und den Bund Strukturen für die Beteiligung zu schaffen, die wirksam und transparent sind. Die Meinungen und Entscheidungen der Kinder müssen gleichberechtigt in Gesetzen, Planungen usw. berücksichtigt werden, alles andere wäre nur eine Pseudo-Beteiligung und wenig demokratisch im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention.

Wie können Kinder lernen, ihre Meinung zu sagen und sich zu beteiligen?

Indem man konsequent und frühzeitig, z.B. schon in Kitas damit beginnt, Kindern an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Auch Schulen haben hier noch großen Nachholbedarf, was die Beteiligung an der Unterrichtsgestaltung, Schul- und Handyregelungen usw. anbelangt. Wenn Kinder schon in jungen Jahren spüren, dass ihre Beteiligung effektiv und wirksam ist und von Erwachsenen ernst genommen wird, lernen sie dadurch, dass politische und demokratische Prozesse zu einem fairen und gleichberechtigten Miteinander führen.

Ansgar Sporkmann

führt als Medienpädagoge Fortbildungen, Workshops und Präventionsangebote in der Jugendhilfe und in Schulen zur Mediennutzung von Jugendlichen durch. Er ist Vorstandsmitglied bei „Nummer gegen Kummer e.V.“ und im DKSB Ortsverband Düsseldorf e.V.