Düsseldorf leuchtet rot

In diesem Jahr jährte sich das Recht auf gewaltfreie Erziehung zum 20. Mal. Unter dem Motto #gewaltfreierziehen rief der Kinderschutzbund Düsseldorf am 30.04., dem internationalen Tag der gewaltfreien Erziehung, online zu einer Mitmachkampagne auf, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Wir freuen uns, dass viele Unterstützer dem Aufruf gefolgt sind: Düsseldorfer änderten ihr Profilbild bei Facebook mit dem Slogan, Institutionen u.a. der Landtag Düsseldorf, die Tonhalle Düsseldorf, D.LIVE mit den Veranstaltungsstätten in Düsseldorf riefen zur Unterstützung auf und die Rheinbahn schaltete das Plakat zur Aktion in Düsseldorfs U-Bahn-Höfen. Wir freuen uns sehr über den großen Erfolg der Kampagne, bedanken uns bei allen Unterstützern und schauen schon auf das kommende Jahr, wo Düsseldorf zum Tag der gewaltfreien Erziehung rot leuchten wird.
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Am 30. April jährt sich das Recht auf gewaltfreie Erziehung zum 20. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums wollten wir mithilfe der stadtweiten Beleuchtungsaktion „Düsseldorf leuchtet rot“ ein Zeichen für gewaltfreie Erziehung setzen.

Da die Aktion wegen Corona nicht wie geplant stattfinden kann, möchten wir nun gemeinsam mit Euch ein Zeichen gegen Gewalt an Kindern setzen!

Seid Teil der Aktion #gewaltfreierziehen und nutzt das entsprechende Profilbild!

Lasst uns gemeinsam deutlich machen, dass Gewalt in der Kindererziehung keinen Platz hat!

Unsere Pressemitteilung zum Tag der gewaltfreien Erziehung ist hier zu lesen.

Die Pressemitteilung des Landtages NRW ist hier zu lesen.

Gewaltfreie Erziehung bedeutet auf körperliche Strafen zu verzichten: Keine Ohrfeige, keine Tracht Prügel. Das ist das Minimum, das in Deutschland Kindern auch gesetzlich garantiert werden soll: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig“, heißt es im Bürgerlichen Gesetzbuch, §1631.

Gewaltfreie Erziehung bedeutet darüber hinaus: Verzicht auf verbale Gewalt, auf Anschreien und Beleidigen und Verzicht auf Strafen überhaupt, also auf das klassische Fernsehverbot oder den überholten Hausarrest.

In jeder Familie wird es Ausrutscher geben. Vielleicht werden die Eltern laut, wenn sie sich überfordert fühlen, oder sie schimpfen übermäßig, oder sie wissen sich nicht anders als mit einer Strafe zu helfen. Solange das Familienklima davon nicht dauerhaft geprägt ist, werden Eltern und Kinder mit der Zeit und entsprechendem Bemühen vor allem der Eltern lernen, konstruktiver mit Streit umzugehen. Das Familienklima liegt in der Verantwortung der Eltern, und deren ehrliches Bemühen ist wichtiger als dass es perfekt gelingt. „Ist bei Eltern ein Problembewusstsein und Empathie gegenüber dem Kind vorhanden, kann zukünftige Gewalt meist gut verhindert werden.“

Wie bei der medizinischen Ersten Hilfe gilt auch hier: Ruhe bewahren. Ansehen – Zuhören – (Mit)Fühlen.  Und anders als bei der Ersten Hilfe: Im Zweifel erstmal abwarten, die Gemüter abkühlen lassen, nicht noch wütend versuchen, zu siegen. Bei gewaltfreier Erziehung geht es um liebevolle Beziehung. Das ist je nach Lebensalter des Kindes weniger oder mehr Arbeit, aber es lohnt sich immer.

Oft hilft dabei auch ein Blick von außen, sei es über Literatur, Elternkurse „Starke Eltern – Starke Kinder“ oder Beratungsangebote, zum Beispiel anonym beim Elterntelefon 0800-1110550 oder beim Kinderschutzbund Düsseldorf im Haus für Kinder BLAUER ELEFANT, Tel.: 0211-6170570.

Die UN Kinderrechtskonvention sagt in § 12:

„Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich seine eigene Meinung zu bilden das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.“

Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) heisst es in § 1631:

„Kinder haben ein recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind nicht zulässig.“

Das Kinder und Jugendhilfegesetz (KJHG) sagt in § 16:

„Angebote der Jugendhilfe sollen Eltern Wege aufzeigen, wie Konflikte in der Familie gewaltfrei gelöst werden können.“

Was ist damit gemeint?

Körperliche Strafen sind:
Ohrfeigen / Schubsen / Schütteln / Einsperren / Schlafentzug / an den Haaren ziehen / Schläge auf den Kopf (Kopfnüsse) / Verletzungen der Haut / Prügeln / Treten / mit Gegenständen schlagen usw.
Seelische Verletzungen sind:
Demütigungen / Liebesentzug / Schweigen / Kontaktverweigerung / Entwertende und entwürdigende Kommentare / Misstrauen / Drohungen / Kinder vor anderen beschämen und blostellen / Verängstigen / Schamgefühle und Schamgrenzen nicht beachten / Entwerten, was gelungen ist usw.
Soweit, so gut.

Viele Eltern sind gleichwohl verunsichert, wie Sie auf andere Weise ihre Kinder lenken können, Grenzen setzen und Erlaubnisse geben. Dies hängt stark mit dem Alter und der Entwicklung der Kinder zusammen. Auch die eigenen Erfahrungen als Kind in einer Familie spielen eine Rolle, ebenso wie die Frage, was einem im Familienleben besonders wichtig ist.

Im Folgenden geben wir einige Hinweise, was für welche Altersgruppe gelten kann.
Dies ist als eine Orientierungshilfe gedacht.
Da Erziehung und Beziehung immer zusammengehören, wird man in jeder Familie immer wieder neu überlegen müssen, welche Verhaltensweisen die Entwicklung der Kinder am ehesten unsterstützen und fördern können.

0 – 3 Jahre

„Grenzen setzen oder auf Bedürfnisse eingehen?“

Die Grundbedürfnisse der Kinder beachten:

  • Schreien
  • Schlafen
  • Stillen
  • Essen / Trinken
  • Spielen
  • Geborgenheit
  • Körperlicher Kontakt
  • Nähe-Beziehungen

Aufgaben der Eltern:

  • Rahmenbedingungen sichern
  • Beziehungen verlässlich sichern
  • Es ist wichtig, die veränderte Rollenverteilung der Eltern und die neue Zeiteinteilung zu besprechen
  • Das Leben zu Dritt ist ganz anders als das Leben zu Zweit

Die Ängste des Kindes wahrzunehmen bedeutet sich darin einzufühlen, was das Kind jetzt braucht. Das Erkennen kindlicher Signale, Bedürfnisse,Zustände steht mehr im Mittelpunkt als die Grenzsetzung.

Einige Fragen an die Eltern:

  • Muss ich immer präsent sein? Wann gibt es Zeiten für mich / für uns?
  • Schnuller oder Beziehung?
  • Dem Kind emotionale Sicherheit geben
  • Aufeinander bezogen sein – den lebendigen Dialog mit dem Kind führen
  • Aufbau von Urvertauen durch verlässliche, gleichbleibende und eindeutige Haltung
  • Die Reaktionsmuster der Mutter / des Vaters aufeinander abstimmen

Statt zahlreicher Verbote und Diskussionen ist es hilfreicher einen klaren Rahmen zu setzen und Entfaltungsspielraum für das Kind zu geben. Die Entscheidungen liegen bei den Eltern.

  • Eltern sollten über die Entwicklungsphasen von Kleinkindern gut informiert sein
  • Eine Selbstreflexion ist notwendig: Warum glaube ich Grenzen setzen zu müssen?
  • Vertrauen kann eingeübt werden
  • Das Zusammenleben mit Kleinkindern bedeutet Freude und Stress

Misstrauen zerstört die Selbstwertentwicklung durch Mitteilungen wie z.B.:

  • „Das tust du extra…“
  • „Was soll aus dir werden…“
  • „Wie du schon guckst…

 4 – 11 Jahre

„Auf dem Weg ins Taka-Tuka-Land“…oder… „Die wilden Kerle“

Die Fragen in diesem Alter ergeben sich aus der Spannung zwischen Expansion der Kinder und Steuerung durch die Eltern

  • Zeitstrukturen setzen
  • „Familienrat“ einrichten
  • Klare und zeitlich nahe Konsequenzen
  • „Kinderwelten“ lassen (Zeiten ohne Elternkontakt und Elternaufsicht)
  • Gemeinsame Erlebnisräume schaffen
  • Konkretes Verhalten steuern (Schuhe wegräumen)
  • Wenn < – > dann Botschaften bei Konflikten, damit das Kind konkrete Konsequenzen des eigenen Verhaltens einschätzen kann
  • Ein Belohnungssystem kann wichtiger sein als ein Bestrafungsystem
  • Einfache Alternativen selber entscheiden
  • STOP Signale setzen, wenn Konflikte ausufern
  • Gelbe / rote Karten vereinbaren (auch im Sport gelten Regeln)
  • Mein Verhalten hat Konsequenzen…
  • Selbststeuerung soll nur altersgerecht erfolgen
  • Körperlich festhalten (zur Not)

Grenz-Themen zwischen 12 und 18 Jahren

„Pubertät ist die Zeit, wenn Eltern schwierig werden“

  • Ausgehzeiten – Freunde als Vergleichsmaßstab
  • Rauchen, Alkohol – Erprobungsverhalten / Regeln für das Verhalten
  • Kiffen – Gruppenzugehörigkeit ist oftmals ein wichtiger Einfluss
  • Handykosten steuern
  • TV und PC Nutzung diskutieren
  • Übernachten -> Wann und wo?
  • Sexualität / Schwangerschaftsverhütung usw.: Verhandlung von Normen / Regeln mit Eltern und Jugendlichen
  • Taschengeld ist aus Sicht von Jugendlichen „immer zu wenig“
  • Ordnung im Zimmer halten als eigene Aufgabe
  • Mit Freunden / Jugendgruppen in den Urlaub fahren? / Bedingungen verhalndeln
  • Kleidung / Piercing als Konfliktthema
  • Styling / Outfit als jugendliches Bedürfnis nach Lebensstil und Anerkennung
  • „Alle anderen dürfen alles“ – meinen alle Jugendlichen
  • Umgangston / -form zwischen Kindern und Jugendlichen müssen akzeptabel bleiben
  • Altersgrenze Kino / Disco als Diskussionspunkt
  • Regelmäßiger Schulbesuch als eigene Aufgabe
  • Häusliche Pflichten als Mitwirkung vereinbaren

Aus Sicht der Eltern kann bei Grenzsetzungen helfen:

  • Ein begründetes Nein hilft
  • Gesetzliche Grenzen (Jugendschutzgesetz) beachten
  • Schutzaspekte benennen, die den Eltern wichtig sind
  • Vereinbarungen für Zeitabschnitte ausmachen
  • Verhandeln über…. -> Basar-Situationen herstellen
  • Jugendllichen eine Anleitung zu eigenen verantwortlichen Entscheidungen geben
  • Aushalten von Kritik ist eine Anforderung an die Erwachsenen!
  • Finanzen: Eigeninitiative der Jugendlichen anfordern
  • Selbstständigkeit durch Beteiligung im häuslichen Bereich
  • Verantwortung in Teilbereichen übertragen
  • Respekt vor der eigenen Lebensstilsuche der Jugendlichen zeigen

und

Vertrauen stärken durch:

  • Zuverlässigkeit
  • Zuwendung
  • Zutrauen
  • Zukunftsmöglichkeiten

Weitere Informationen finden Sie auch unter:

www.starkeeltern-starkekinder.de
www.familienhandbuch.de

Johannes Böhnke
Diplom-Sozialpädagoge, Köln