Kinderrecht des Monats Juli

Kinder haben das Recht auf

freie Meinungsäußerung und Beteiligung

Aha! Was bedeutet das?

Sollen Kinder jetzt alles entscheiden? Was sie essen? Wann sie nach Hause kommen? Was sie anziehen? Wie viel Taschengeld sie bekommen? Wo sie zur Schule gehen? Ob sie zur Schule gehen?

Bei manchen Fragen bzw. Antworten sind wir ganz großzügig und andere, da wollen wir doch auf unser Elternrecht zurückgreifen. Sie kennen das alle: „So lange deine Füße unter meinem Tisch stehen, entscheide ich.“ Sie denken, sagt doch heute niemand mehr, da irren Sie sich, sage ich Ihnen. Letztendlich haben wir Eltern einen Schutzauftrag dem Kind gegenüber, wir müssen das Kind vor Gefahren schützen, die es selber aufgrund seines Entwicklungsstandes nicht einschätzen und damit auch nicht entscheiden kann. Und in all den anderen Fragen haben Kinder das Recht an der Entscheidung über eine Situation, die das Kind betrifft, mit in den Entscheidungsprozess einbezogen zu werden. Fragen Sie Ihr Kind, es darf mitbestimmen, es darf nicht alles bestimmen, es darf nicht über Sie bestimmen, aber es darf, wie alle anderen auch am Tisch, mitbestimmen.

Das Kind hat das Recht seine Meinung zu äußern und wünscht sich gehört und mit einbezogen zu werden. Sie werden erstaunt sein, wie viel weniger Konflikte entstehen, wenn Kinder mit entscheiden dürfen, sie haben manchmal Ideen, auf die wären Sie im Leben nicht mehr kommen, die aber so erfrischend einfach sind, dass wir aus dem Staunen nicht mehr rauskommen.  Ich gebe zu, es kostet im Anfang etwas, aber wirklich nur etwas, mehr Zeit und gleichzeitig gewinnen Sie diese wieder auf der Zielgeraden. Weil Kinder viel motivierter sind, wenn sie die Entscheidung mit getroffen haben, dann sind sie nämlich auch an der erfolgreichen Umsetzung interessiert, es ist ja dann auch ein eigener Erfolg und Ihrer natürlich auch.

Kompromisse finden sich immer, die Stimmung ist meist deutlich besser, die Nerven werden geschont und das Ergebnis bietet Platz für alle, die an der Entscheidung beteiligt waren und Sie haben nicht wieder 1-2 Kinder auf jedem Bein sitzen, weil Sie diese bei der Planung, nicht vergessen, aber einfach nicht gefragt haben.

Versuchen Sie es, so oder so können Sie nichts verlieren, im schlechtesten Fall bleibt es so wie es ist, geht auch und wie viel schöner wäre es, wenn es nicht nur geht, sondern richtig gut geht? Das frage ich Sie, denn auch Sie haben ein Recht auf Beteiligung.

Angebote im Ortsverband Düsseldorf:

Kinder-und Jugendtelefon – Rechtsberatung für Kinder und Jugendliche – TuSCH!-Gruppe – Beratung im Haus für Kinder BLAUER ELEFANT – Selbstbehauptungskurse für Kinder (z.B. Sei cool, bleib cool!)

Kinderpolitische Forderungen

In der letzten Sitzung des Jugendhilfeausschusses hatten wir die Möglichkeit, das bisherige Kinderrechtejahr zu präsentieren und für die Nachhaltigkeit des Aktionsjahres zu werben. In einer Arbeitsgruppe, unter anderem bestehend aus Jugendrat, Till Eulenspiegel, Jugendring und Kinderschutzbund, wurden Kinderpolitische Forderungen entwickelt, die wir -stellvertretend für das Bündnis „Kinder haben Rechte“dem Jugendhilfeausschuss übergeben durften. Dabei ist die Idee entstanden, dass Mitglieder des Jugendhilfeausschusses  Patenschaften für einzelne Kinderrechte übernehmen können, um in Zukunft als Ansprechpartner und Unterstützer zu fungieren.

Juni: 3 Fragen – 3 Antworten

Kurzinterview mit Andreas Bensiek zum Kinderrecht des Monats Juni:

Kinder haben das Recht auf

Freizeit, Spiel und Erholung

  1. Was bedeutet für Sie, Herr Bensiek, das Kinderrecht: „Alle Kinder haben das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung“?

Spielen ist für die Entwicklung der Kinder enorm wichtig. Das spielende Kind ist immer auch ein lernendes und sich entwickelndes Kind. Wer einem Kind sein Recht auf nicht zweckgebundene Nutzung seiner „freien“ Zeit durch Spiel Sport, Spaß ermöglicht, der unterstützt seine Entwicklung zu einem selbstständigen und selbstbewussten Erwachsenen.

  1. Welche Schwierigkeiten/Möglichkeiten erleben die Kinder?

Kinder brauchen so viele Freiräume wie möglich und so wenig Leistungsdruck wie möglich. Spiel und Sport sind oft mit großem Leistung- und Vergleichsdruck verbunden, was für das Kind körperlich wie seelisch enorme Belastung bedeutet. Manche Eltern verwechseln ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen mit den Bedürfnissen ihrer Kinder und messen den Wert ihres Kindes zu sehr an dessen Leistungen. Schön ist es, wenn ich Eltern erlebe, die ihr Kind achtsam beobachten und einmal erspüren, was ihr Kind gerade braucht – losgelöst vom nächsten Termin.

  1. Was hilft und was lernen die Kinder in Ihren Kursen?

Vordergründig erlernen die Kinder die spannende Kampfkunst „Kung Fu“ mit vielseitigen Bewegungsmöglichkeiten. Bedingt durch die Art der Übungen – Schlagen und Treten kann ja durchaus gefährlich sein – entwickeln die Übenden ein großes Maß an Achtsamkeit. Diese Achtsamkeit, gepaart mit dem Wissen um die eigene Kraft und Selbstwirksamkeit, kann es den Kindern – und natürlich auch den Erwachsenen – ermöglichen, die eigenen Bedürfnisse klarer zu erkennen, zu formulieren und zu diskutieren, im Training wie im Alltag

Andreas Bensiek

ist Vorsitzender und Haupttrainer des Tai Wu Dao Verbandes e.V., Kampfkunstmeister und Übungsleiter für Bewegungserziehung.