Der diesjährige Fachtag des Kinderschutzbundes Düsseldorf zum Thema sexualisierte Gewalt durch Geschwister stieß auf enormes Interesse. Traditionsgemäß fand die Varanstaltung im Rahmen des Aktionstages zur gewaltfreien Erziehung statt.
Die Veranstaltung im Bürgerhaus Bilk war innerhalb kürzester Zeit ausgebucht, was die hohe Relevanz dieses oft unterschätzten Themas unterstreicht. Fachkräfte aus verschiedensten Arbeitsfeldern kamen zusammen, um sich intensiv mit einem Bereich auseinanderzusetzen, der in der Öffentlichkeit und Fachwelt noch immer häufig tabuisiert wird.
Ein erheblicher Anteil sexualisierter Gewalt unter Kindern und Jugendlichen findet innerhalb von Geschwisterbeziehungen statt. Dennoch ist das Thema in Deutschland bislang nur wenig erforscht. Umso wertvoller waren die Impulse von Referentin Prof. Dr. Esther Klees von der IU Internationalen Hochschule. Sie präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse und beleuchtete differenziert sowohl die Situation der Betroffenen als auch die Perspektive der übergriffigen Geschwister.
In seiner Begrüßung verdeutlichte Dr. Hauke Duckwitz, Kinderneurologe und Vorsitzender des Kinderschutzbundes Düsseldorf, die medizinische und psychologische Tragweite. Da diese Gewalt im vermeintlich geschützten Raum der Familie stattfindet, bleibt sie oft lange unentdeckt. Die Folgen können jedoch bis weit ins Erwachsenenalter nachwirken. Für Fachkräfte sei es daher entscheidend, sensibel hinzuschauen und Familien frühzeitig sowie angemessen zu unterstützen.
Während der Veranstaltung wurden zentrale Praxisfragen diskutiert. Im Fokus stand dabei die Unterscheidung zwischen altersangemessenen Entdeckungsspielen und problematischen sexuellen Verhaltensweisen. Auch die Analyse familiärer Dynamiken und die Entwicklung wirksamer Schutzkonzepte nahmen einen breiten Raum ein. Die Teilnehmenden erörterten intensiv, wie das lokale Hilfesystem noch besser auf diese speziellen Fälle reagieren kann.
Der Austausch machte deutlich, dass der Bedarf an Sensibilisierung und fachlicher Weiterentwicklung in diesem Bereich nach wie vor groß ist. Der Fachtag hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, auch schwierige und wenig beachtete Themen im Kinderschutz offen anzusprechen und fachlich fundiert aufzuarbeiten.
